Sicherung vor Verfall jetzt dringend

Beitrag von Dr. Folckert Lüken-Isberner

Nach dem Scheitern des Projekts Technisches Rathaus wird das Objekt Salzmann nun erstaunlich schnell zum Kandidaten für den Abriss, wie der Stadtbaurat mehrfach konstatierte. Dieses Szenario wird vor der Kulisse der seinerzeitigen Fehlkonstruktion mit dem hoch verschuldeten Investor Rossing bemüht, so als sei es die quasi naturgesetzliche Folge. Die Ikone der Kasseler Industriegeschichte wird jetzt schon mal zur Disposition gestellt, um von Verantwortlichkeiten bei Eigner und Unterer Denkmalschutzbehörde abzulenken? Ein anonymer „Vandalismus“ wird als Ursache für den Verfall der Gebäudehülle behauptet. Dabei ist der größte „Vandale“ der Eigner selbst, der seit den Entmietungen Null-Sicherung von Gelände und Objekt betreibt (seit Monaten laden Maueröffnungen, offene Tore und Außentreppen Jeden ein). Die ablesbare Intention: weiter tatenlos verfallen lassen, schließlich den Eigner aus der Verantwortung nehmen, da ihm eine Instandsetzung irgendwann nicht mehr „zuzumuten“ ist, und angesichts der optischen Trostlosigkeit auf öffentliche Zustimmung setzen? Der jetzige Stopp der Beheizung und die anstehende Frostperiode sind treffliche Helfer. Die Öffentlichkeit sollte jetzt dringend erfahren: hat die Stadt Herrn Rossing überhaupt eine Frist zur Substanzsicherung gesetzt? Gibt es einen Beschluss der Stadt, bei Nichtbefolgen als Kommune dann in die gesetzlich vorgeschriebene Ersatzvornahme zu gehen? Die Stadt wäre bei Nichttätigwerden in dem Fall ansonsten Unterlassungstäter. Erst, wenn die Sicherung (mit sehr überschaubarem Aufwand möglich) erfolgt ist, kann in Ruhe über neue Konzepte sinniert und nach ins Objekt „verliebten“ (Stadtbaurat) neuen Investoren gesucht werden. Wir können angesichts des ehemaligen Stadtbades Ost sehr wohl sehen, wie Denkmal-Sicherung erfolgreich geht (Eigner: Stadt Kassel). Das abrissaffine Szenario zu Salzmann darf auf keinen Fall Realität werden. Für die Forderung zur umgehenden Substanzsicherung des Kulturdenkmals ist eine breite Unterstützung durch Kasseler Kulturinitiativen jetzt dringendst nötig. Weltkulturerbe ja – Industriekulturerbe nein?

Als Bewohner eines laufend instand gehaltenen Kulturdenkmals

Dr. Folckert Lüken-Isberner, Deutscher Werkbund Hessen e.V.

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Ein Gedanke zu „Sicherung vor Verfall jetzt dringend

  1. Eben habe ich gerade den Beitrag von Dr. Folckert Lüken-Isberner im Blog gelesen und kann seinen Gedanken nur voll zustimmen. Mehrfach habe ich nun schon die Aussage von unserem Stadtbaurat Herrn Nolda gehört, der darauf hinwies, dass ein möglicher Abriss der Salzmann-Fabrik nicht auszuschließen sei. Einmal während der Podiumsdiskussion in der Caricatura-Bar, als es um den Kulturbahnhof Nord ging und dann in verschiedenen HNA-Artikeln. Das hört sich wirklich wie eine prophylaktische „Ich hab`s Euch ja gesagt, also da kann ich jetzt wirklich nichts dafür“ Haltung an.
    Dazu kann ich nur Folgendes sagen: Wenn man an etwas wirklich interessiert ist, dann klingt Solidarität und Sorge um ein Kultur- und Industriedenkmal anders. Der Abriss des Salzmanngeländes wäre ein Skandal sondergleichen!!!
    Er wäre ein Armutszeugnis und zutiefst beschämend für eine Stadt, die auf jedem Briefkopf inzwischen den Zusatz „Documentastadt“ trägt und die vor einigen Jahren sogar Kulturhauptstadt werden wollte!!!
    Der Gedanke von Hernn Lüken- Isberner sollte aufgegriffen werden, nämlich den Eigner, Herrn Rossing in die Verantwortung zu nehmen und ihn gegebenfalls zu zwingen, sich um die Instandhaltung des Gebäudes zu kümmern.
    Vielleicht könnten im Zuge eines Instandhaltungs-Knzeptes ja auch einzelne Initiativen dort schon mal vor Ort mietfrei agieren wie zum Beipiel die Sokü und nur Wasser und Stromkosten zahlen müssen, die durch Nutzung anfallen.
    Oder Teile des Angebotes der Salzmann-Fabrik (manche Workshops oder Auftritte) zwischenzeitlich zurückverlagert werden an den alten Standort.
    Denn ein ungeheizter Ort ist immer ein bedrohter Ort in bezug auf Feuchtigkeit, Nässe und Co. Sollte Herr Rossing verpflichtet werden können, für eine Instandhaltung zu sorgen, dann könnte er im Grunde jedem dankbar sein, der in den Räumen sich aufhält und sie heizt.
    Das würde bedeuten, dass Strom und Heizung wieder angeschaltet werden müssten und ein Fond für Spendengelder eingerichtet wird für die Strom/Heizkosten. Ein solcher würde auch gebraucht werden, falls es nötig ist, einen Rechtsbeistand zu suchen. Ich würde mich jedenfalls nach meinen finanziellen Möglichkeiten bei der Unterstützung des Fonds mitbeteiligen. Und nicht zu unterschätzen: Kleinvieh macht Mist
    Veronika Blum

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