Offener Brief

Salzmann-Fabrik

Offener Brief an den Magistrat der Stadt Kassel,                         Kassel, den 11.2.2014

Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Hilgen,

angesichts der fortschreitenden Bestandsgefährdung des ehemaligen Salzmann-Gebäudes appellieren wir an Sie, sich für eine Sicherung dieses hochkarätigen Industriedenkmals einzusetzen. Während das Regierungspräsidium von seinen rechtlichen Möglichkeiten auf dem Areal Gebrauch macht, vermissen wir bislang nicht nur eine verbindliche Aufforderung der Stadt Kassel – in ihrer Eigenschaft als Untere Denkmalschutzbehörde – an den Eigentümer, das Kulturdenkmal gegen unbefugtes Eindringen und gegen Witterungseinflüsse zu sichern, sondern auch die Entschlossenheit, diese notwendigen Maßnahmen ggf. als Ersatzvornahme auf Kosten des Eigentümers selbst durchzuführen. In diesem Zusammenhang möchten wir anregen, auch den Gegenwert des sehr großen Grundstücks und die Möglichkeit einer weiteren Hypothek in die Überlegungen einzubeziehen.

Die Salzmann-Fabrik ist heute das wichtigste, weitgehend authentisch erhaltene Industriedenkmal in der Stadt, das die Erinnerung an Kassels Eigenschaft als Industrie- und Arbeiterstadt des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts wachhält. Neben der historischen und städtebaulichen Bedeutung sind die gut erhaltenen Ausstattungen der Verwaltungsräume und besonders die großen Oberlichtsäle auch von überregionalem Wert; so spiegeln die verschiedenen Dachkonstruktionen in Stahl und Beton die technische und gestalterische Entwicklung um 1900 in eindrucksvoller und einzigartiger Weise wider. Gerade diese Gebäudeteile sehen wir aber durch Vandalismus, Verfall und mögliche wirtschaftliche Interessen besonders gefährdet. Wir appellieren daher ebenfalls an Sie, es nicht zuzulassen, dass der gegenwärtige Zustand des Gebäudes für weitgehende Konzessionen zulasten des Denkmalschutzes missbraucht wird; sondern es gilt vielmehr sinnvolle Nutzungen für diese Gebäudeteile zu finden oder zu entwickeln, die dem Bestand angemessen sind.

Neben der Verletzung der Erhaltungspflicht durch den Eigentümer sehen wir in diesem Fall auch die Stadt Kassel in besonderer Verantwortung, weil die derzeitige Bedrohung des Kulturdenkmals erst unter Beteiligung der Stadt durch das gescheiterte Projekt eines Technischen Rathauses verursacht wurde. Zugleich bietet sich für die Stadtverwaltung die Aufgabe und Chance, nach dem Scheitern des Technischen Rathauses einen wichtigen Beitrag zur Weiterentwicklung des Kasseler Ostens zu leisten.

Mit freundlichen Grüßen, Dipl.-Ing. Dr. Christian Presche

Arbeitskreis für Denkmalschutz und Stadtgestalt, Kassel                                                     In gemeinschaftlicher Trägerschaft von: Gesellschaft für Kultur- und Denkmalpflege / Hessischer Heimatbund, Niederhess. Zweigverein Kassel e.V. Verein für Hessische Geschichte und Landeskunde e.V., Zweigverein Kassel Verein Freunde des Stadtmuseums Kassel e.V.

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3 Gedanken zu „Offener Brief

  1. Wenn Vertags-Dilettanten der Behörde einen unfähigen, gierigen Investor beauftragen, ohne dass dieser entsprechende Sicherheiten hinterlegt, geht das Projekt vor die Hunde.
    Er macht was er will und täuscht und manipuliert.
    Scheinbar hat er aber noch genug Kapital um andere Projekte anzugehen.
    Hoffentlich schlafen die Verantwortlichen der Stadt nicht und zwingen ihn in die Verantwortung!

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