Presseerklärung der Arbeitsgruppe des Salzmann-Forums zum Scheitern des Wohnungsbauprojektes der BHB-Bauwert Holding auf dem Salzmann-Areal; 22.08.2015

Presseerklärung der Arbeitsgruppe des Salzmann-Forums zum Scheitern des Wohnungsbauprojektes der BHB-Bauwert Holding auf dem Salzmann-Areal in Kassel-Bettenhausen.
Das Projekt, mit dem Bau von 450 Wohnungen auf dem Salzmann-Areal das Industriedenkmal zu erhalten und neu zu nutzen, ist trotz intensiver planerischer Unterstützung der Stadt plötzlich gescheitert. Die Gründe scheinen nach unseren Informationen aus den Medien vor allem im ökonomischen Bereich und der mangelnden Unterstützung des Eigentümers bei der Sicherung der historischen Bausubstanz und der immer wieder verzögerten Entsorgung des kontaminierten Bauschutts zu liegen.
Das Salzmann-Forum bedauert den Rückzug des Investors in letzter Minute, auch wenn wir das Konzept nicht in allen Facetten für optimal gehalten haben, wie z.B. den Umbau der bauhistorisch wertvollen Oberlichthallen zu Loft-Wohnungen oder die relativ monofunktionale Ausrichtung des Areals als Wohnstandort. In konstruktiver Zusammenarbeit konnte jedoch mit dem Investor und dem städtischen Kulturamt ein Konzept für die Rückkehr der Kulturfabrik Salzmann e.V. in einen kleinen Teil des denkmalgeschützten Hauptgebäudes an der Sandershäuser Straße ausgehandelt werden.
Als größtes Problem sehen wir, dass nach vier verschiedenen Planungskonzepten in den letzten 12 Jahren die Bausubstanz des hochkarätigen Industriedenkmals kontinuierlich verfällt. Gerade in den letzten zwei Jahren mussten mutwillige Zerstörungen immer wieder beklagt werden, besonders nachdem die letzten Mieter und damit die Hüter des Denkmals „ausgesiedelt“ wurden. So wurde und wird wegen mangelnder Sicherung des Daches und der Eingänge die Bausubstanz dem Verfall durch Witterungseinflüsse und Vandalismus systematisch preisgegeben. Trotz mehrfacher Gespräche des Forums mit Vertretern der Stadt, dem Eigentümer und dem Investor ist es nicht gelungen, eine dauerhafte Sicherung und Werterhaltung der Bausubstanz vom Eigentümer einzufordern. „Salzmann-Watch“ – Sicherungsmaßnahmen des Forums im Sommer 2014, die erst mit Eigentümer, Investor und Stadt abgesprochen waren – wirkten leider nur kurzfristig, da sie vom Eigentümer später mit Hinweis auf eigene Sicherungsmaßnahmen abgebrochen werden mussten. Hier liegt u.E. auch ein Versäumnis bei den städtischen Behörden, die auf die Realisierung des 4. Projektes hofften und deshalb die Sicherungsmaßnahmen letztendlich nicht wirksam einforderten. Auch Vorschläge des Forums, das Areal durch kulturelle Zwischennutzungen vor weiterem Vandalismus zu schützen, wurden nach anfänglicher Zustimmung vom Eigentümer wieder verworfen.
Angesichts des kommenden Winters und der weiter andauernden Planungsunsicherheiten sehen wir in der Sicherung und einer neuen Zwischennutzung des Industriedenkmals jetzt dringenden Handlungsbedarf beim Eigentümer, der Stadtpolitik und der Denkmalbehörde.
Denn das Salzmann-Areal ist und bleibt ein wichtiger Zeuge der Kasseler Industriekultur von hohem kulturhistorischen Wert, der u.a. im Aufruf nationaler und internationaler Experten im November 2014 dargestellt und vom Forum dem Magistrat, allen Stadtverordneten, wie den Medien überreicht wurde. Ebenso ist die Entwicklung des Areals für die Zukunft des Stadtteils Bettenhausen und des Kasseler Ostens bekanntlich von großer Bedeutung. Deshalb verdient dieses Gebiet einen 5. Anlauf, d.h. ein neues kreatives und finanziell tragfähiges Konzept mit einer multifunktionalen Nutzung von Kultur, Wohnen und Gewerbe. Dass dieser Vorschlag keine Träumerei ist, zeigen ähnliche Projekte, die in anderen Städten erfolgreich umgesetzt werden konnten. Auf Initiative des Forums wurden in 2014 solche Beispiele öffentlich vorgestellt und diskutiert, aber bisher zu wenig auf die Kasseler Situation übertragen.
Wegen der besonderen Bedeutung des Salzmann-Areals für die Stadtteil- und Stadtentwicklung eignet sich dieses Projekt u. E. nicht für parteipolitische Profilierungen im Wahlkampf. Sondern die Entwicklung eines neuen 5. Konzeptes erfordert eine unkonventionelle Zusammenarbeit von Eigentümer, Stadtpolitik und betroffenen Institutionen und Gruppierungen in der Stadtgesellschaft mit externen Experten – vielleicht an einem oder mehreren runden Tischen? Die Verwirklichung dieses neuen 5. Konzeptes ist auch in Phasen oder stufenweise denkbar und für die documenta-Stadt, die sich als Kulturhauptstadt bewirbt, eine spannende Herausforderung.

Im Namen der Arbeitsgruppe des Salzmann-Forums
Christian Bernard, Architekt – DWB
Oliver Leuer, Kulturfabrik Salzmann e.V.
Prof. i.R. Ingrid Lübke, Stadtplanerin
Veronika Blum, Liedermacherin

http://www.rettetsalzmann.wordpress.com

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